Was niemand über das Training sagt
Alle reden beim Training nur davon, dass man dranbleiben muss. Disziplin, Motivation, Leidenschaft – klingt gut, verkauft sich gut, ist aber nur die halbe Wahrheit.
Die Realität sieht anders aus:
Die meisten trainieren nicht wirklich mit voller Motivation, mit Leidenschaft, mit Freude und/oder mit Begeisterung. Sie sehen das Training als besseren Ausgleich zum tristen Alltag, als willkommene Abwechslung oder als besseren Zeitvertreib. Sie kommen unregelmäßig, weil es mal passt, dann wieder nicht. Sie sind körperlich da, aber mental woanders. Sie halten sich zurück, sparen Energie, machen mit aber eher als Konsumenten und geben nichts von sich hinein.
Und wenn dann nach Monaten oder Jahren kein Fortschritt sichtbar ist, heißt es: „Der Trainer bringt mich nicht weiter.“ Das passiert immer wieder.
Der Trainer hat dann zwei Möglichkeiten
Er kann sie einfach machen lassen: Sie trainieren, fühlen sich wohl, bleiben unauffällig und verschwinden irgendwann nach zwei, drei Jahren von selbst.
Oder er korrigiert sie jedes Mal, bei denselben Fehlern, erklärt, zeigt, verbessert – und erntet dafür genervte Blicke.
Dann sind sie meist nach einem Jahr weg.
In beiden Fällen geht’s nicht um Technik, sondern um Haltung.
Wer wirklich besser werden will, muss verstehen, was Training bedeutet.
Man muss regelmäßig trainieren – nicht sollte.
Man muss in jeder Einheit alles geben – egal wie alt man ist, egal wie oft man kommt, egal was trainiert wird und egal wie langweilig auch ein Training sein kann. Wie im Beitrag "Kampfkunst ist kein Event" schon einmal erklärt: Trainer sind keine Fitness-Animateure, keine Wellness-Hosts und keine Alleinunterhalter.
Man muss dem Können des Trainers vertrauen – sonst hat das Ganze keinen Sinn.
Vor allem aber:
Man muss ehrlich zu sich selbst sein.
Denn Training ist nicht dafür da, dich zu bestätigen.
Es ist dafür da, dich zu verändern.
Es ist Wiederholung, Frust, Schweigen, Zweifel, viel Schweiß und kleine Schritte.
Es ist der Moment, in dem du bleibst, obwohl du keine Lust hast.
Es ist der Punkt, an dem du aufhörst, Ausreden zu finden und vor allem ist es der Punkt, indem du zum Training gehst, obwohl du keinen Bock hast.
Echtes Training fordert dich nicht – es entlarvt dich.
Es zeigt dir, ob du wirklich willst oder nur glaubst, dass du willst.
Es interessiert sich nicht für deine Müdigkeit, dein Ego oder deine Ausreden.
Training ist ehrlich.
Es gibt dir exakt das zurück, was du hineinsteckst – nie mehr, nie weniger.
Kampfkunst ist nicht das, was du lernst, sondern das, was aus dir selbst durch das Training entsteht.
Sie ist kein Ort der Bestätigung, sondern ein Ort der Wahrheit.
Wenn du also trainierst und den Eindruck hast, du trittst auf der Stelle und machst keine Fortschritte: Frage dich zuerst, was du bereit bist, zu geben.
Dein Trainer kann dir die Tür öffnen, wird dich aber nicht durch die Tür schieben, drücken oder Tragen. Durchgehen musst du schon selbst!
