Was ist Aikido?
Der Gründer, Ueshiba Morihei, begann bereits Ende der 1900er-Jahren mit Jūjutsu und erlernte im Laufe der Zeit viele weitere Kampfkünste wie Schwertkunst (Kenjutsu) und Stockkampf (Jōjutsu). Nach einer Phase strenger geistiger Schulung erreichte er gegen Ende der Taishō-Zeit die Essenz dessen, was später Aikido genannt werden sollte.
Im Jahr 1942 wurde schließlich die Bezeichnung „Aikido“ eingeführt. Vor dem Krieg wurde es als Kampfkunst gelehrt, die nicht nach außen weitergegeben werden durfte, und war nur einer sehr kleinen Zahl von Menschen zugänglich. Nach dem Krieg verfolgte man das Ziel, ein offenes Aikido zu verwirklichen: Dojos in verschiedenen Regionen sowie Aikido-Abteilungen an Universitäten und in Unternehmen wurden gegründet. So verbreitete sich Aikido auch in der breiten Öffentlichkeit, und heute wird es weltweit von Jung und Alt, Männern wie Frauen, gepflegt und geliebt.
Ein Merkmal des Aikido-Trainings ist, dass man den Partner respektiert und Harmonie zwischen sich selbst und dem anderen herstellt. Indem man die Kraft des Partners lenkt, bringt man dessen Gleichgewicht ins Wanken und nutzt dabei die eigene Kraft, um die Technik anzuwenden. Im Training wird die Seite, die den Partner wirft bzw. fixiert, als „Tori“ bezeichnet, die Seite, die die Technik empfängt, als „Uke“. Indem Tori und Uke die Rollen tauschen und die Bewegungsabläufe abwechselnd wiederholen, wird im Training der Übungsgrad kontinuierlich erhöht.
Im Aikido wird die wahre Kampfkunst nicht als etwas betrachtet, das grundlos auf Kraft setzt, um Stärke gegen andere zu messen, sondern als ein Streben nach der Vervollkommnung der eigenen Persönlichkeit. Deshalb werden keine Wettkämpfe oder Turniere ausgetragen, bei denen es um Sieg oder Niederlage geht. Durch Selbstdisziplin bereichert man den Geist und schärft die Fähigkeit, besser zu leben – Aikido ist ein Weg der menschlichen Charakterbildung. Da es keine Wettkämpfe gibt, finden stattdessen Vorführungsveranstaltungen statt, bei denen die Ergebnisse des täglichen Trainings präsentiert werden.
Im traditionsbewussten Aikido-Training werden festgelegte Techniken abwechselnd zwischen Tori und Uke wiederholt. Dabei ist es wichtig, die Technik nicht mit roher Kraft auszuführen, sondern sich dem Atem und dem Rhythmus des Partners anzupassen.
Der Trainingspartner ist jemand, der einem hilft, das eigene Können zu verbessern – man darf nie vergessen, dass Training erst durch den Partner überhaupt möglich wird. Indem man sich im Training mit verschiedenen Partnern in Harmonie übt, schärft man eine ausgewogene menschliche Reife und trägt Harmonie in die Gesellschaft.
Das ist der Weg, den Aikido anstrebt.